Türkische Deutsche, Kanakster und Deutschländer.

    Identität und Fremdwahrnehmung in Film und Literatur: Fatih Akin, Thomas Arslan, Emine Sevgi Özdamar, Zafer Senocak und Feridun Zaimoglu.
    EPISTEMATA - WÜRZBURGER WISSENSCHAFTLICHE SCHRIFTEN. Reihe Literaturwissenschaft, Band 733, Königshausen & Neumann: Würzburg, 2011.

    Kurzbeschreibung:

    Die Arbeit bietet einen Überblick über die thematische und ästhetische Neuausrichtung des deutsch-türkischen Kinos und der deutsch-türkischen Literatur zwischen 1990 und 2005. Im Zentrum stehen hierbei Werke, die sich dem Themenkomplex Migration, Identität und Fremdwahrnehmung aus sehr unterschiedlicher Perspektive annähern. Im Bereich des Films sind dies Fatih Akins "Gegen die Wand" und Thomas Arslans "Geschwister – Kardesler", im Bereich der Literatur Emine Sevgi Özdamars "Die Brücke vom Goldenen Horn", Zafer Senocaks "Gefährliche Verwandtschaft" sowie Feridun Zaimoglus "Liebesmale, scharlachrot".

    Die in den Filmen und literarischen Texten ausgestalteten Identitätsentwürfe werden mit Hilfe soziologischer, sozialpsychologischer sowie xenologischer Kategorien und Konzepte beschrieben und mit einer historischen Kognitionsanamnese verknüpft. Durch die Herausarbeitung von historisch präformierten Verstehensvoraussetzungen und Deutungsmustern gelingt es, den Einfluss gesellschaftlicher Diskurse über Türken und Deutschtürken auf die Ausgestaltung der Identitätsproblematik innerhalb der Werke nachzuvollziehen.

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    Mit Sisyphos auf Asienreise

    Rollenreflexion und Fremdwahrnehmung in Günter Grass' Kopfgeburten oder Die Deutschen sterben aus

    Der Aufsatz analysiert die Rollenreflexion des Erzählers und Strategien der Fremdwahrnehmung in Günter Grass' Kopfgeburten oder die Deutschen sterben aus. Die Rollenreflexion ist durch drei wesentliche Merkmale gekennzeichnet: Zum einen durch einen an Robert Musil erinnernden 'Möglichkeitssinn', der sich in den verschiedenen Kopfgeburten und utopischen wie auch dystopischen Selbstvermöglichungsstrategien zeigt; zum anderen durch Grass' Identifikation mit der mythischen Gestalt Sisyphos, bedingt durch seine Rezeption dieses Mythos in der von Camus geprägten Interpretation; drittens, durch die in der Struktur des Buches angelegten Problematik der Medieninterrelation. Der zweite Teil dieser Arbeit behandelt die vom Autor vorgestellten Strategien der Fremdwahrnehmung. Die Reise von Harm und Dörte und mit ihr das Programm der Sisyphos-Reisegesellschaft kann als negatives Beispiel des Versuchs der Annäherung an eine fremde Kultur verstanden werden. Im Gegensatz dazu steht der (theoretische) Ansatz des Autors, dessen Darstellung die Arbeit abschließt.
     
    Der Aufsatz wurde 2005 auf dem Dokumentenserver der Freiburger Universitätsbibliothek veröffentlicht und ist zugänglich unter der Web-Adresse: http://freidok.ub.uni-freiburg.de/volltexte/1841/
     
     
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    Naipaul's "Darkness": Africa

    Die Arbeit befasst sich mit V.S. Naipauls literarischen Texten über Afrika. Hierzu zählen die Romane A Bend in the River und Half a Life, die Erzählungen “In a Free State” und “The Crocodiles of Yamoussoukro” sowie die kürzeren Essays “A New King for the Congo” und “Home Again”. Anhand dieser Texte soll Naipauls Verhältnis zum ‘kolonialen Diskurs’ und zu literarischen Vorläufern, wie Joseph Conrad und dessen Roman Heart of Darkness, beurteilt werden.
    Im theoretischen Teil der Arbeit (Teil 2) werden zunächst grundsätzliche Merkmale des kolonialen Diskurses vorgestellt. Die verwendeten Termini sind dabei im Wesentlichen David Spurrs 1993 erschienenem Buch The Rhetoric of Empire entnommen, werden aber vielfach durch Ideen anderer Vertreter der postkolonialen Theorie und der Xenologie-Forschung ergänzt.
    Teil 3 beschäftigt sich mit “In a Free State”, dem chronologisch frühesten Text. Nach einführenden Bemerkungen über den polysemischen Titel dieser Erzählung, der vielfältige Rückschlüsse auf den Zustand der dargestellten Gesellschaft zulässt, widmet sich die Analyse zunächst den auffälligen Gemeinsamkeiten zwischen Naipauls Text und Conrads Roman. Die Effekte der Dekolonisierung stehen im Zentrum des nachfolgenden Kapitels. Diese werden von Naipaul im Sinne eines generellen Niedergangs gedeutet. So konstatiert er einen allgemeinen Verfall der kolonialen Bauwerke sowie der Sitten der Einheimischen, was schließlich zum Wiederaufleben von Stammesrivalitäten und einem generellen Chaos führt.
    Der vierte Teil beschäftigt sich mit den fünf verbliebenen Texten, jedoch nicht in chronologischer Reihenfolge, sondern anhand von wichtigen, häufig wiederkehrenden Themenkomplexen. Während der Erzähler von “In a Free State” anonym bleibt, besteht eine wesentliche Gemeinsamkeit der übrigen Texte darin, dass sie von einem ‘Ich-Erzähler’ mit indischem Hintergrund erzählt werden, was sich unter anderem auch auf die Konzentration auf bestimmte Themen auswirkt. Nach einer kurzen Betrachtung der Sonderstellung dieser (hybriden) Erzähler und einer kritischen Auseinandersetzung mit den Methoden und Zielen Naipauls als Reisendem, wendet sich die Untersuchung der Darstellung der 'afrikanischen Kultur' zu. Magie, Rituale, Alkoholmissbrauch, Sexualität und Gewalt gehören zu den in den Texten am ausführlichsten behandelten Bestandteilen dieser Kultur, die in Naipauls Texten vor allem durch Zügellosigkeit, dem Leben in einer spirituellen Gegenwelt und der ‘natürlichen’ Gewaltbereitschaft der Afrikaner gekennzeichnet erscheint. Die Vermischung verschiedener Kulturen wird in beinahe allen Texten diskutiert und durchweg als problematisch und nicht erwünschenswert dargestellt. Dies gilt sowohl für interkulturelle Beziehungen auf der privaten Ebene als auch für das Zusammenleben von Menschen verschiedener Kulturkreise innerhalb eines Landes.
    Ein zentrales Thema sind zudem die politischen Entwicklungen in verschiedenen postkolonialen afrikanischen Ländern und deren Bewertung. Die Analyse konzentriert sich hierbei im Wesentlichen auf Naipauls Beurteilung von Zaires langjährigem Machthaber Mobutu und der Einschätzung von Felix Houphouët-Boigny, dem damaligen Präsidenten der Elfenbeinküste. Dem Einfluss solcher Machthaber auf das Erziehungswesen wird im anschließenden Kapitel nachgegangen, in welchem zudem die Gründe für Naipauls äußerst angespanntes Verhältnis zu afrikanischen Intellektuellen dargelegt werden. ‘Europa’ zeigt sich in Afrika in vielerlei Gestalt, unter anderem auch in importierten Produkten und Ideen, teuren Hotels und luxuriös-angelegten Neubauten. Naipaul zufolge erscheint alles Europäische jedoch letztlich fremd und lässt sich nicht auf Afrika übertragen. Sinnbildlich hierfür sind die im europäischen Stil und von europäischen Architekten angelegten Bauten, die ständig vom Zerfall bedroht sind. Immer wieder gewinnt das ‘wahre’ Afrika, der ‘Busch’, die Oberhand. Diese Bewertung fügt sich in das in A Bend in the River entwickelte Geschichtsmodell ein, wonach westliche Länder eine linear verlaufende, auf Fortschritt ausgerichtete Geschichte haben, während sich in Afrika der immergleiche Zyklus von Entstehung und Zerstörung vollzieht. Die Afrikaner werden hierbei zu den Vollstreckern des Zerstörungsaktes stilisiert und damit der Natur gleichgestellt.
    Abschließend wird der Frage nachgegangen, weshalb es zu keiner Einigung in den erbitterten Auseinandersetzungen zwischen Naipauls Kritikern und seinen Befürworten kommt.

    Die Arbeit wurde auf dem Freiburger Dokumentenserver veröffentlicht. Sie ist zugänglich unter: http://freidok.ub.uni-freiburg.de/volltexte/1245/
     
     
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